Die Zentrenstruktur innerhalb großstädtischer Stadtregionen wird im Allgemeinen, in Anlehnung an das Zentrale-Orte-System, entsprechend der Stellung des jeweiligen Subzentrums in der innerstädtischen Hierarchie eingeteilt. Zahlreiche Städte haben die Hierarchiestufen ihrer Stadtbezirks- und Stadtteilzentren in Zentrenkonzepten festgelegt. Hierbei werden Einzugsgebiete, verkehrliche Erschließung oder funktionelle Ausstattung dieser Zentren festgeschrieben. Da sich diese Untersuchungen meist auf gewachsene Stadtteilzentren beschränken und andere Zentrentypen, etwa die nichtintegrierten peripheren Standorte, nicht behandelt werden, ist eine nur hierarchische Kategorisierung städtischer Subzentren für die Beschreibung des stadtregionalen Strukturwandels nicht ausreichend.
Aus diesem Grund soll hier versucht werden, städtische Zentren (City und Subzentren) nach ihrem Strukturtyp zu kategorisieren. Hierbei wird, abgesehen vom Zentrentyp "City", nicht die hierarchische Position, sondern die städtebauliche Ausprägung, die geographische Lage und die Umstände ihrer Entstehung untersucht.
City
Die City ist das primäre großstädtische Stadtzentrum, das "aufgrund der Dichte und Vielfalt ihrer Nutzungen als der zentrale Standort mit höchster Zentralität ausgewiesen ist"[8], in den meisten europäischen Fällen im historischen Stadtkern gelegen. Sie ist Standort kommerzieller, administrativer und kultureller Zentraleinrichtungen mit gesamtstädtischem und überregionalem Einzugsbereich und "befriedigt den Bedarf an besonders hochwertigen Konsumgütern und die Bedürfnisse der großstädtischen Freizeitgestaltung"[9]. Dadurch, aber auch durch markante Eigenschaften des Stadtbilds[10], wie historische Monumente, wichtige öffentliche Gebäude, Stadtplätze, Boulevards oder Flussufer ist die Großstadt-City der im Bewußtsein der Bewohner verankerte Mittelpunkt der Stadtregion.
Vorstädtisches Subzentrum
Diese stadtregionalen Nebenzentren im suburbanen Bereich sind meistens politisch selbständige, große Vororte oder Städte am Rande des Großstadtbereichs[11]. Sie sind, je nach Hierarchiestufe, Sitz von Gemeinde- und Kreisverwaltungen und anderer administrativer, sozialer und kultureller Einrichtungen sowie Einzelhandelsschwerpunkte. Der Einzugsbereich deckt Teile des peripheren Stadtzusammenhangs ab. Die Bindung an die Kernstadt ist vor allem bei weit vom Stadtkern entfernten Subzentren oft nur in loser Form vorhanden.
Innerstädtisches Subzentrum[12]
Ein innerstädtisches Subzentrum ist ein zum strukturellen Zusammenhang der inneren Kernstadt gehörendes (nicht zwingend auf deren Stadtgebiet liegendes) Unterzentrum[13], Mittelpunkt eines Innenstadt-Wohnbezirks oder Stadtteilzentrum mit urbanem Charakter. Das Einzugsgebiet umfaßt, je nach Hierarchiestufe, verschieden große Teile des inneren und suburbanen Stadtgebiets. Innerstädtische Subzentren sind von allen großstädtischen Subzentren am stärksten von funktionellem Bedeutungsverlust betroffen. Besonders auffällig und im Bewußtsein der Bevölkerung besonders schmerzhaft ist der Zentralitätsverlust großer innerstädtischer Subzentren, die aufgrund ihrer eigenen alten Stadttradition bisher eine gewisse Eigenständigkeit gegenüber der Kernstadt behaupteten. Dieser Zentrentyp ist der engere Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit.[14]
Zentrum einer Großsiedlung
Dies ist eine Sonderform des innerstädtischen Subzentrums. Es handelt sich um ein geplant angelegtes Stadtteilzentrum in einer Großsiedlung, das nicht notwendigerweise in Besitz eines Einzelbetreibers ist. Der Einzugsbereich geht oft über die Großsiedlung selbst hinaus, deren Bewohner aber die Hauptzielgruppe sind. In kleineren Siedlungen sind die dort planmäßig vorhandenen Ladenzeilen dieser Kategorie zuzuordnen.
Nichtintegriertes (Einkaufs-)zentrum
Nichtintegrierte Einkaufszentren im Sinne dieser Untersuchung sind von einem Einzelbetreiber geplante und betriebene, nicht in eines der anderen genannten Zentrentypen integrierte Einkaufszentren, durch ihre nicht-zentrale Lage vorwiegend auf motorisierte Kundschaft ausgerichtet. Diese kann bei sehr großen Einkaufszentren aus der gesamten Stadtregion kommen.[15] Geschlossene Einkaufszentren in Citylagen oder innerstädtischen Subzentren werden in der vorliegenden Arbeit als Bestandteil dieser Zentrentypen angesehen, sofern sie sich in diese Zentren integrieren.[16] Geplante Zentren von Großsiedlungen, die sich im Privatbesitz eines Einzelbetreibers befinden und deren Einzugsbereich weit über die zu versorgende Siedlung hinaus wächst[17], können sich zu Einkaufszentren im Sinne dieser Definition entwickeln.
Nicht zentral geplante oder betriebene, aber als einheitlicher Standort wahrgenommene Konzentrationen von Verbraucher- und Fachmärkten (Lebensmittel-Hypermärkte, Möbelhäuser, Baumärkte, Gartencenter) in autoorientierten, peripheren Lagen sind ebenfalls eine Sonderform dieses Zentrentyps.
Betrachtet man Zentralfunktionen außerhalb des Einzelhandels, gehören auch nichtintegrierte, großflächige Freizeiteinrichtungen wie Großkinos, Vergnügungsparks und Urban Entertainment Center in suburbanen Lagen zu dieser Zentrenkategorie.
Zuordnung und Abgrenzung von Begriffsdefinitionen
Die folgende Darstellung soll helfen, die zahlreichen in der Literatur und auch dieser Untersuchung verwendeten und neu eingeführten Begriffe zur Definition von Zentrenstrukturtypen vergleichen und unterscheiden zu können:
| Stadtzentrum, großstädtisches Primärzentrum | Großstädtische Subzentren | ||||||
| Gewachsene Zentren | Geplante Zentren | ||||||
| Stadtzentren unterschiedlicher Hierarchiestufen | Stadtteilzentren | Privat betriebene Immobilien | |||||
| City | Vorstädtisches Subzentrum | Innerstädtisches Subzentrum | Nichtintegriertes (Einkaufs-) zentrum | ||||
| Großes Subzentrum mit eigener städtischer Tradition | Sonstige innerstädtische Subzentren | Zentrum einer Großsiedlung | |||||
Systematische Zuordnung von benutzten Terminologien: Zentrenstrukturtypen in Großstädten.[18]
Zentrumsstrukturtypen und Hierarchiestufen
Die angeführte Kategorisierung nach Strukturtypen gibt wie eingangs erwähnt keinen Aufschluß über die Stellung eines Subzentrums in der Zentrenhierarchie einer Großstadt. Um eine Vorstellung von der Unabhängigkeit und beliebigen Kombinierbarkeit beider Kategorisierungsarten zu geben, zeigt die folgende Tabelle eine Zuordnung von großstädtischen Subzentren in eine Hierarchiestufen-Strukturtypen-Matrix am Beispiel der Stadtregion Berlin:
| Hierarchiestufe[19] und Einzugsgebiet |
1. Ordnung (A-Zentrum) Teil einer Stadtregion |
2. Ordnung (B-Zentrum) Stadtbezirk/Vorortbereich |
3. Ordnung (C-Zentrum) Stadtteil / Vorstadt |
| Strukturtyp | |||
| Innerstädtisches Subzentrum | Neukölln (Karl-Marx-Straße) Steglitz (Schloßstraße) |
Moabit (Turmstraße) Weißensee (Berliner Allee) |
Siemensstadt Baumschulenweg |
| Zentrum in Großsiedlung | Marzahner Promenade Märkisches Zentrum |
Anton-Saefkow-Platz Helene-Weigel-Platz |
|
| Nichtintegriertes Einkaufszentrum | Stern-Center A10-Center |
Gesundbrunnen-Center Havelpark |
Allee-Center Potsdam-Center |
| Vorstädtisches Subzentrum | Potsdam | Oranienburg | Strausberg |
Innerstädtische Subzentren nehmen für ihr traditionelles Einzugsgebiet eine Reihe von Aufgaben wahr. Sie sind Einkaufsziel, Arbeitsplatz, Schul- und Ausbildungsort, Verwaltungszentrum, Verkehrsknoten, Dienstleistungsstandort, Kulturzentrum und Ort von Freizeitaktivitäten sowie im Bewußtsein der Bevölkerung eines großstädtischen Teilraums verankerter Mittelpunkt dieses Teils der Stadtregion. Im Prinzip haben sie vergleichbare Funktionen wie eine kleinere Provinzstadt für ihre Umgebung.
Der Bedeutungsverlust der innerstädtischen Subzentren betrifft alle genannten Funktionen. So gehen, vor allem im industriellen Bereich, zahlreiche Arbeitsplätze und damit Bindungen an stadtteilprägende Traditionsunternehmen verloren. Sparmaßnahmen der Großstädte führen zur Schließung und Zusammenlegung von Ämtern und Verwaltungen auf Stadtbezirksebene sowie von kulturellen Einrichtungen. Verändertes Verkehrsverhalten schwächt die Bedeutung der alten Subzentren zugunsten der City und des suburbanen Bereichs.
Am sichtbarsten ist der Bedeutungsverlust im Bereich des Einzelhandels. Hier spielt die gewachsene Bedeutung der Cities für die Stadtregionen eine Rolle, vor allem aber die Konkurrenz durch auto-orientierte Einkaufszentren im suburbanen Bereich, die ein unbeschwertes Einkaufserlebnis ermöglichen. Ein wichtiger Vorteil der gewachsenen Subzentren, die Nähe zum suburbanen Umland, wird durch die Lage der Einkaufszentren an Schnellstraßen ausgeglichen. Die kaufkräftige Mittelschicht wohnt größtenteils ohnehin nicht im subzentralen Stadtteil selbst, sondern im Umland, verfügt über ein Auto und wird von nichtintegrierten Einkaufszentren als Zielgruppe direkt angesprochen.
Während große Shopping Malls erweitert werden oder neu entstehen, ist die Entwicklung in innerstädtischen Subzentren rückläufig. Große Magnetbetriebe wie Kauf- und Warenhäuser ziehen sich aus dieser Zentrenkategorie zurück (siehe 1.2.4). Alteingesessene Fachgeschäfte, oft über mehrere Generationen im Familienbetrieb geführt, geraten in existenzbedrohende Konkurrenzsituationen[20] oder werden aufgegeben (siehe 1.3.1). Einzelhandelsbetriebe wandern an günstigere Standort ab, selbst die konkurrenzfähigeren Kettenbetriebe schließen Filialen in betroffenen Stadtteilen. Billigläden und Restpostenmärkte folgen nach, die Attraktivität der Einkaufslage sinkt. Es verbleibt eine reduzierte Geschäftsstruktur, die zunehmend nur noch dem lokalen Bedarf dient und in der gesamtstädtischen Zentrenhierarchie zurückfällt.[21] In den Rand- und Streulagen der Stadtteilzentren, zunehmend auch in deren zentralen Einkaufsstraßen, stehen Ladenlokale leer.[22]
Innerstädtische Subzentren leiden unter der doppelten Konkurrenz der Stadtzentren einerseits und der peripheren Einkaufs- und Freizeitstandorte andererseits.[23] Die zeitweise ebenfalls in Bedrängnis geratenen Cities wurden durch umfangreiche Investitionen in gewerbliche, Handels- oder Freizeiteinrichtungen stabilisiert[24], die Attraktivität dieser besonderen Standorte konnte meist erfolgreich vermittelt werden.
Die Bautätigkeit an der Peripherie der Stadtregionen läßt keine Krisenerscheinungen erkennen. Die extensive Zersiedlung im suburbanen Bereich sowie der weiterhin ansteigende Anteil des Automobils im Stadtverkehr[25] verstärken sich gegenseitig und scheinen, falls nicht planerisch Einfluss genommen wird, die natürliche Entwicklung der Stadtregionen zu bestimmen.
Die Zukunft der Subzentren in Stadtteilen und Großsiedlungen[26] ist jedoch unsicher. Sie verlieren weiterhin Industrie-, Handels-, Dienstleistungs- und Freizeiteinrichtungen[27] an konkurrierende Standorttypen.
Für das Verständnis der schwierigen Lage des Einzelhandels in Stadtteilzentren spielt der Unterschied zwischen den Konzepten "Versorgungseinkauf" (für den periodischen Bedarf) und "Erlebniseinkauf" (für den aperiodischen Bedarf) eine wichtige Rolle.[28]
Die ursprüngliche Domäne der Einkaufszentren war der Versorgungseinkauf, bei dem Güter des Basisbedarfs in größeren Mengen[29] bequem ins Auto verladen können. Der günstig gelegene, kostenfrei benutzbare Parkplatz kann für Einkäufe in mehreren Geschäften des Zentrums genutzt werden (One-stop-shopping[30]). Der Versorgungseinkauf im Einkaufszentrum ist zeitsparend, praktisch und bequem.[31]
Das Konzept des Erlebniseinkaufs war ursprünglich im Zusammenhang mit der Konsolidierung und Wiederbelebung großstädtischer Stadtzentren von Bedeutung.[32] Um gegen die neue Konkurrenz der Einkaufszentren bestehen zu können, wurde die Aufmerksamkeit des Kunden auf die Besonderheit des Ortes gelenkt. Wie in der Definition des Zentrentyps "City" (siehe 1.2.1) gezeigt, ist die Großstadt-City meist der historische Stadtkern[33] und im Bewußtsein der Bürger der Mittelpunkt der Stadtregion. Einkaufen in direkter Nachbarschaft von baulich attraktiven, besonderen Orten wie Altstadt, historischen Gebäuden oder Hauptbahnhof im bunten Treiben der Innenstadt ist ein Erlebnis, das das Einkaufszentrum nicht bieten kann. Das Stadt-Erlebnis ist somit an das Vorhandensein von Urbanität gekoppelt.[34] Das Warensortiment ist entsprechend höherwertig, etwa die Bereiche Bekleidung oder langlebige Konsumgüter.[35]
Durch die deutliche Ausprägung dieser beiden für den Kunden attraktiven Einkaufsarten durch die Zentrentypen "City" und "Einkaufszentrum" gerieten die gewachsenen Stadtteilzentren als Einzelhandelsstandorte von beiden Seiten her unter Druck. Keine der beiden Einkaufsarten kann in dieser Ausgeprägtheit von einem Stadtteilzentrum geboten werden. Dort gibt es meist weder das urbane Fluidum[36] im historischen Ambiente in zentralster Lage[37] noch die guten Parkmöglichkeiten und Flächenpotentiale[38] eines nichtintegrierten Einkaufszentrums.
Die Situation wird noch dadurch verschärft, dass die Konkurrenz zwischen Cities und den peripheren Standorten durch die Herausbildung zweier Handelstypen keineswegs beendet ist. Beide Standorttypen versuchen, im Revier des anderen Marktanteile zu gewinnen.
So betreiben seit den 80er Jahren in die Citylagen integrierte Shopping Malls auch in den Stadtzentren[39] das Konzept der künstlichen Einkaufswelt unter einem Dach. Große Warenhäuser versuchen, durch Erstattung von Parkhausgebühren für motorisierte Kunden attraktiver und bequemer zu werden und so einen Standortvorteil der Peripherie wenigstens teilweise auszugleichen. Noch häufiger aber versuchen nichtintegrierte Einkaufszentren, ihre städtebaulich meist wenig attraktive Umgebung in ihrem Inneren durch Schaffung künstlicher, am Idealbild der Innen- oder Altstadt orientierter, letztlich pseudourbaner Erlebniswelten vergessen zu machen[40], um die Zufriedenheit der Besucher zu steigern und sich von Konkurrenzobjekten abzugren-zen. Auch die Anreicherung nichtintegrierter Einkaufsstandorte mit Freizeiteinrichtungen (Großkinos, Spaßbäder, Vergnügungsparks[41]) gehört zu diesem Prozeß der Substitution gewachsener Stadtidentitäten durch geplante Kunstwelten[42].
Durch die Wiederannäherung dieser beiden Handelsformen wird es für die gewachsenen Subzentren als dritten und schwächsten Zentrentyp immer schwieriger, eine Nische zur Sicherung ihrer Existenz zu finden. Sie können mit keiner der beiden dargestellten Handelsformen ernsthaft konkurrieren. Um Bestand und Bedeutung der Subzentren erhalten, muss ein erkennbares eigenständiges Profil dieser Standorte entstehen, das sich auf eine positive Weise von den beiden anderen Handelstypen absetzt[43].
Selbst die größten Stadtteilzentren sind, im Vergleich zu den Großstadt-Cities, von eher überschaubarer Größe. Der Geschäftsbesatz ist von kleinen und mittleren Läden geprägt. Die Filiale eines großen Warenhauses spielt in einem solchen Umfeld also, falls überhaupt vorhanden, eine ganz zentrale Rolle. Sie ist automatisch Mittelpunkt der Einkaufszone und wichtigster "Magnet" zur Anziehung von Kunden. Die benachbarten Fachgeschäfte profitieren in den meisten Fällen von dem Warenhaus. Selbst wenn sie mit ihrem Sortiment in Konkurrenz zu ihm stehen, wird der dadurch entstehende Umsatzverlust durch die induzierte Standortaufwertung mehr als ausgeglichen. Das Vorhandensein eines großen Warenhauses führt zu mehr Laufkundschaft, zu einem größeren Bekanntheitsgrad der Einkaufsstraße und zu einer veränderten Wahrnehmung der Straße im Bewußtsein der Kunden. Ein Zentrum mit Warenhaus wird im Bewußtsein des Kunden in eine höhere Hierarchiestufe eingeordnet als eines ohne eine solche Einrichtung.
In der Standortpolitik der Warenhauskonzerne spielen innerstädtische Subzentren nur noch eine untergeordnete Rolle. Das Hauptaugenmerk für die Ansiedlung von neuen Warenhäusern und die Aufwertung von bestehenden Häusern liegt auf "1a-Citylagen in den Stadtzentren und großen Shopping Malls"[44]. Dort werden neue Häuser eröffnet, bestehende erweitert und auf neue Konzepte umgestellt. Kleinere Häuser in weniger exponierten Lagen werden zwar zunächst weiter betrieben, aber im Gegensatz zur Expansionswelle der siebziger Jahre sind heute keine Neueröffnungen zu erwarten. Auch neue Vertriebslinien wie das Galeria-Konzept der Kaufhof AG sind nur für größere Häuser[45] in Citylagen oder Einkaufszentren vorgesehen.
| Verkaufsfläche von Warenhäusern des Karstadt-Konzerns[46] | ||||
| Citylagen | [m²] | Innerstädtische Subzentren | [m²] | |
| Berlin, KaDeWe | 60.000 | Berlin-Steglitz, Wertheim | 22.000 | |
| Frankfurt, Hertie Zeil | 34.000 | Hamburg-Wandsbek | 20.000 | |
| Düsseldorf, Schadowstraße | 30.000 | Berlin-Charlottenburg | 15.000 | |
| 28.000 | Hamburg-Eimsbüttel | 9.400 | ||
| Hamburg, Alsterhaus | 20.000 | Hamburg-Bergedorf | 9.000 | |
| Köln-Porz | 6.500 | |||
| Große Einkaufszentren | [m²] | Berlin-Moabit | 6.000 | |
| Rhein-Ruhr-Zentrum, Mülheim | 21.000 | Essen-Borbeck | 5.500 | |
| Rhein-Neckar-Zentrum, Viernheim | 12.000 | München-Fürstenried | 3.500 | |
| Olympia-Einkaufszentrum, München | 10.000 | Duisburg-Walsum | 3.000 | |
| Elbe-Einkaufszentrum, Hamburg | 9.000 | Essen-Steele | 1.900 | |
| Die Angaben zur Verkaufsfläche liegen nur unvollständig und nur für den Karstadt-Konzern vor, deswegen können hier nur ausgewählte Häuser genannt werden. | ||||
Kaufhausfilialen in innerstädtischen Subzentren sind immer öfter Gegenstand von Schließungsdiskussionen. So sind seit 1990 in den Frankfurter Subzentren Bockenheim, Sachsenhausen und Höchst insgesamt vier Warenhäuser geschlossen worden.[47] Währenddessen werden zum Teil in unmittelbarer Nähe dieser Subzentren große Shopping Malls umfangreich erweitert.[48]
Der Karstadt-Quelle-Konzern schloß zwischen 1990 und 2002 deutschlandweit 17 Warenhausfilialen.[49] [50] 14 davon lagen in Großstadtregionen, davon eines in Citylage und eines in einem Einkaufszentrum. Drei Häuser befanden sich in vorstädtischen Subzentren am Rande von Großstädten.[51] Neun geschlossene Warenhäusern lagen in innerstädtischen Subzentren[52] von Großstädten.
Die Karstadt Immobilien AG schreibt hierzu:
|
"Infolge der derzeitigen Konsumentenorientierung ergibt sich eine Verschiebung zugunsten auto-orientierter Standorte im sekundären Netz. Dieser Trend wird nur teilweise durch die Raum- und Stadtplanung unterbunden. In diesem Zusammenhang ist auch die zukünftige Entwicklung von Stadtteilzentren zu sehen. Diese werden sich zum großen Teil in Richtung Nahversorgungsstandorte entwickeln. Nur wenige, die eine kritische Mindestgröße erreichen und ein entsprechendes, sich stabil entwickelndes Marktgebiet erschließen, werden als wirkliche Stadtteilzentren überleben."[53] |
| Verteilung der Filialen ausgewählter Kaufhausketten auf Standortkategorien in 24 Großstädten. | |||||||||||||||||||
| Stadtkategorie | Häuser in Großstädten: Standortkategorie | ||||||||||||||||||
| Konzern | Häuser | Kleinstadt | Mitelstadt | Großstadt | City | ISZ | VSZ | EKZ | GSZ | Erfasst | |||||||||
| Kaufhof[54] | 128 | 27 | 21% | 39 | 30% | 62 | 48% | 26 | 43% | 10 | 17% | 9 | 15% | 12 | 20% | 3 | 5% | 60 | 97% |
| Karstadt[55] | 184 | 58 | 32% | 33 | 18% | 93 | 51% | 21 | 23% | 36 | 39% | 21 | 23% | 10 | 11% | 4 | 4% | 92 | 99% |
| C & A[56] | 257 | 96 | 37% | 55 | 21% | 106 | 41% | 23 | 23% | 24 | 24% | 23 | 23% | 24 | 24% | 8 | 8% | 102 | 96% |
| H & M[57] | 164 | 164 | 67 | 41% | 20 | 12% | 15 | 9% | 48 | 29% | 13 | 8% | 163 | 99% | |||||
| Peek & Cloppenburg[58] | 59 | 59 | 19 | 33% | 7 | 12% | 12 | 21% | 20 | 34% | 0 | 0% | 58 | 98% | |||||
| Woolworth[59] | 331 | 201 | 61% | 36 | 11% | 94 | 28% | 7 | 8% | 52 | 56% | 21 | 23% | 6 | 6% | 7 | 8% | 93 | 99% |
| Alle | 577 | 577 | 163 | 29% | 149 | 26% | 100 | 18% | 118 | 21% | 36 | 6% | 566 | 98% | |||||
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Es bedeuten: ISZ = Innerstädtisches Subzentrum (Stadtteilzentrum) VSZ = Vorstädtisches Subzentrum am Rande einer Großstadtregion EKZ = nichtintegriertes Einkaufszentrum (EKZ innerhalb anderer Zentren sind deren Kategorie zugeordnet) GSZ = Ladenzentrum einer Großsiedlung. (siehe ausführliche Definition der Zentrenstrukturtypen). Definition Kleinstadt = bis 100.000 Einwohner Definition Mittelstadt = 100.000 bis 400.000 Einwohner Definition Großstadt = über 400.000 Einwohner oder Stadtregion ab etwa 1 Million Einwohner.[60] |
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Anhand des Rückzugs der wichtigsten Magnetbetriebe des Einzelhandels aus der Standortkategorie innerstädtisches Subzentrum[61] wird die schwierige Lage dieser Zentren zwischen Cities und Einkaufszentren besonders deutlich. Die Schließung eines Warenhauses in einem innerstädtischen Subzentrum stellt für den dortigen Einzelhandel einen "herben Rückschlag"[62] dar. Da für Objekte dieser Größenordnung in Stadtteilzentren trotz ihrer meist hervorragenden Lage nur schwer Nachnutzer zu finden sind, künden die leerstehenden Kaufhausimmobilien oft noch Jahre nach der Schließung vom Verlust der bedeutendsten örtlichen Handelseinrichtung.
Auf das Phänomen der sozialräumlichen Segregation in Großstädten und der Herausbildung benachteiligter Stadtquartiere[63] wird in der Literatur ausführlich eingegangen.[64] Die damit verbundenen Probleme wie Verlust von Arbeitsplätzen, Konflikte zwischen einheimischer und ausländischer Bevölkerung, Fortzug einkommensstärkerer Haushalte, Kriminalität und allgemeine Perspektivlosigkeit sollen deshalb in der vorliegenden Arbeit vor allem hinsichtlich ihres Einflusses auf die Entwicklung der Zentralität ihres Stadtteils im gesamtstädtischen Zusammenhang betrachtet werden.
Bei benachteiligten Stadtteilen handelt es sich in den meisten Fällen um dichtbebaute, oft altindustriell geprägte Quartiere im inneren Stadtbereich oder um große Wohnsiedlungen der 60er und 70er Jahre,[65] also die Stadtteile, die Standorte von innerstädtische Subzentren oder Zentren in Großsiedlungen (gemäß der Definition) sind. Zwischen den sozialen Problemen dieser Stadtquartiere und der schwierigen Situation ihrer traditionellen Stadtteilzentren muss also in vielen Fällen ein kausaler Zusammenhang angenommen werden.
Innerstädtische Subzentren entsprechen kleinen Innenstädten, auch wenn sie von suburbanen Wohnbezirken umgeben sind. Auf diese Weise entsteht ein kleinräumiges Sozialgefälle, weil auch diese kleinen Nebeninnenstädte typische Erscheinungen innerstädtischer Sozialstrukturen zeigen. Wohlhabendere Bewohner und auch Familien verlassen die dichtbebauten, städtisch geprägten Subzentren zugunsten benachbarter suburbaner, "grüner" und autogerechter Wohngebiete. In den Subzentren, die oft eine hohe Verkehrsbelastung und schlechte Wohnungsstandards aufweisen, verbleiben die finanziell schlechter Gestellten. Die lokale Kaufkraft sinkt, eine wichtige Voraussetzung für die Stärke eines städtischen Zentrums[66] geht verloren.
Der entstehende Kulturunterschied erzeugt eine Entfremdung der traditionell dem Subzentrum zugeordneten bürgerlichen Wohnbezirke, deren Bevölkerung tendenziell dazu übergeht, ihre Nachfrage nach Zentralfunktionen an scheinbar geeigneteren Orten zu erfüllen. Dies kann sich durch die Benutzung eines im Vorortbereich angesiedelten, autogerechten Einkaufszentrums ebenso ausdrücken wie durch die Entscheidung, Kinder nicht auf die Schule im nahegelegenen Subzentrum zu schicken, zu deren traditionellem Einzugsgebiet die eigene Gemeinde gehört, sondern auf eine im suburbanen Bereich gelegene, die eine größere soziale Homogenität verspricht.
Dieses Phänomen trifft die Einrichtungen des Subzentrums doppelt, denn der Rückzug des bürgerlichen Vorortpublikums fällt mit dem sinkenden Wohlstand im Stadtteil selbst zusammen. Dies trifft besonders den Einzelhandel, aber auch, wie beschrieben, das Versorgungsniveau anderer Funktionen wie Schulen, Arztpraxen oder kultureller Einrichtungen.
7 Karte: Grotz/Waldhausen-Apfelbaum 2000, Seite 105. [zurück]
8 Hotzan 1997, Seite 169. [zurück]
9 Berlin 1994, Seite 135. [zurück]
10 Steinbach 2000, Seite 27. [zurück]
11 Beispiele für Subzentren dieses Typs sind etwa: Potsdam (Berlin), Meißen (Dresden), Esslingen (Stuttgart), Hanau (Frankfurt), Unna (Dortmund) oder Ratingen (Düsseldorf). [zurück]
12 In dieser Untersuchung und vor allem in der Literatur wird der Begriff "Stadtteilzentrum" oft synonym verwendet, weil in Deutschland die innerstädtischen Subzentren mit wenigen Ausnahmen (z.B. Offenbach/Frankfurt, Herne/Bochum, Moers/Duisburg) zum Stadtgebiet der Kernstadt gehören. Bereits in europäischen Nachbarländern sind jedoch in vielen Großstädten (vgl. etwa Brüssel, Kopenhagen, Lyon) nicht nur die suburbanen Bereiche, sondern auch die inneren Stadtzusammenhänge administrativ in mehrere Gemeinden zersplittert, so daß der Begriff "Stadtteilzentrum" ungenau wird. [zurück]
13 Grotz/Waldhausen-Apfelbaum 2000, Seite 101. [zurück]
14 vgl. hierzu die ausführliche Begriffsdefinition auf Seite 18. [zurück]
15 Beispiele hierfür sind etwa das CentrO in Oberhausen oder die Shopping City Süd in Wien. [zurück]
16 Als Beispiele seien genannt die Einkaufszentren Forum in Berlin-Köpenick oder Hamburger Straße in Hamburg-Barmbek. [zurück]
17 So hat das ursprünglich zur Versorgung der Großsiedlung Nordweststadt angelegte Nordwestzentrum in Frankfurt am Main nach mehreren Umbauten und Erweiterungen ab 2004 eine Verkaufsfläche von über 90.000 m² und ist damit eines der größten Einkaufszentren in Europa. [zurück]
18 Darstellung: Verf. [zurück]
19 In Anlehnung an: Berlin 1994, Seite 134-140. [zurück]
20 Steinbach 2000, Seite 27. [zurück]
21 Steinbach 2000, Seite 33. [zurück]
22 Pütz 2000, Seite 19. [zurück]
23 Friedrich-Ebert-Stiftung 1999, Seite I. [zurück]
24 Friedrich-Ebert-Stiftung 1999, Seite I. [zurück]
25 Friedrich-Ebert-Stiftung 1999, Seite I. [zurück]
26 Siehe die Definition der Zentrenstrukturtypen. [zurück]
27 Friedrich-Ebert-Stiftung 1999, Seite I. [zurück]
28 Grotz/Waldhausen-Apfelbaum 2000, Seite 101. [zurück]
29 Steinbach 2000, Seite 31. [zurück]
30 Pütz 2000, Seite 23. [zurück]
31 Grotz/Waldhausen-Apfelbaum 2000, Seite 100. [zurück]
32 Steinbach 2000, Seite 40. [zurück]
33 Friedrich-Ebert-Stiftung 1999, Seite 32. [zurück]
34 Hartwig 2000, Seite 14. [zurück]
35 Friedrich-Ebert-Stiftung 1999, Seite 32. [zurück]
36 Grotz/Waldhausen-Apfelbaum 2000, Seite 101. [zurück]
37 Friedrich-Ebert-Stiftung 1999, Seite 32. [zurück]
38 Grotz/Waldhausen-Apfelbaum 2000, Seite 101. [zurück]
39 Etwa die in den 80er Jahren entstandenen Passagensysteme in Hamburg und Düsseldorf oder die Zeilgalerie in Frankfurt. In Bremen wurde zur Implementierung einer Mall in die City sogar eine Altstadtstraße privatisiert und überdacht. [zurück]
40 Sieverts 1999, Seite 36. [zurück]
41 Etwa das Großkino im Rhein-Ruhr-Einkaufszentrum in Mülheim an der Ruhr oder der Freizeitpark im CentrO in Oberhausen. [zurück]
42 Sieverts 1999, Seite 142. [zurück]
43 Friedrich-Ebert-Stiftung 1999, Seite 32. [zurück]
44 Kaufhof Warenhaus AG, Pressestelle, Frau Plöger, Telefoninterview am 9.4.2003. [zurück]
45 Für Häuser ab 7.000 m², das sind 80 von 128 Häusern des Konzerns. Die meisten Filialen in inner-städtischen Subzentren sind aber kleiner. [zurück]
46 Karstadt-Quelle AG (Internetseite). [zurück]
47 Kaufhof in Bockenheim, Bilka in Bockenheim und Sachsenhausen und zuletzt (2001) Hertie in Höchst. In allen drei Stadtteilen ist heute nur noch der Woolworth-Konzern vertreten. [zurück]
48 Zum Beispiel Spandau-Arcaden und Havelpark bei Berlin-Spandau, Elbe-EKZ nahe Hamburg-Altona und -Eimsbüttel, Shopping City Süd bei Wien-Meidling sowie im genannten Beispiel das Main-Taunus-Zentrum bei Frankfurt-Höchst und das Nordwestzentrum bei Frankfurt-Bockenheim. [zurück]
49 Karstadt Immobilien AG & Co. KG., Herrn Jenne, Schreiben vom 30.4.2003. [zurück]
50 Karstadt- und Hertie-Filialen, einschließlich Schließungen an Standorten, an denen der Karstadt-Konzern nach Übernahme von Hertie doppelt vertreten war (Berlin-Charlottenburg und Neumünster). [zurück]
51 Rüsselsheim (Frankfurt), Pinneberg (Hamburg), Herten (Bochum-Gelsenkirchen). [zurück]
52 Hamburg-Wilhelmsburg, Frankfurt-Höchst, Frankfurt/Offenbach, Dortmund-Hombruch, Essen-Kettwig, Berlin-Wilmersdorf, Berlin-Charlottenburg, Düsseldorf-Garath, Düsseldorf-Bilk. [zurück]
53 Karstadt Immobilien AG & Co. KG., Herr Jenne, Schreiben vom 30.4.2003. [zurück]
54 Filialen von Kaufhof, Galeria-Kaufhof und ehemalige Horten-Häuser in Deutschland sowie Inno und Galeria-Inno in Belgien (Kaufhof Warenhaus AG, Kommunikation und Netze: Filialstandorte der Kaufhof Warenhaus AG. Excel-Tabelle, April 2003). [zurück]
55 Karstadt, Hertie, Wertheim, KaDeWe, Alsterhaus, Oberpollinger, alle in Deutschland (Karstadt: Filialsuche, Internetseite). [zurück]
56 Filialen in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Österreich (C&A: Filialliste, Internetseiten). [zurück]
57 Filialen in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Österreich (Hennes & Mauritz: Store Locator, Internetseiten). [zurück]
58 Alle Filialen beider Unternehmen (P&C Hamburg und P&C Düsseldorf). Angaben nach Peek und Cloppenburg Düsseldorf KG: Standorte in Deutschland und Österreich, Peek und Cloppenburg Düsseldorf KG: Standorte in Belgien und den Niederlanden, Peek und Cloppenburg Hamburg: Unsere Häuser - immer in ihrer Nähe (Internetseiten). [zurück]
59 Filialen in Deutschland und Österreich (Deutsche Woolworth: Standorte; F.W.Woolworth GmbH: Woolworth-Kaufhäuser in Österreich; Internetseiten). [zurück]
60 In dieser Untersuchung: Hamburg, Hannover, Bremen, Amsterdam, Rotterdam, Den Haag, Antwer-pen, Brüssel, Köln, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Bochum, Dortmund, Wuppertal, Frankfurt, Mann-heim, Stuttgart, München, Wien, Nürnberg, Dresden, Leipzig, Berlin. [zurück]
61 Grotz/Waldhausen-Apfelbaum 2000, Seite 116. [zurück]
62 Grotz/Waldhausen-Apfelbaum 2000, Seite 114. [zurück]
63 Haars 2001, Seite 11. [zurück]
64 vgl. etwa Froessler 1994 [zurück]
65 Friedrich-Ebert-Stiftung 1999, Seiten 9f. [zurück]
66 Friedrich-Ebert-Stiftung 1999, Seite 14. [zurück]
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