Von der einen Münzstraße fast in die nächste.
Die U-Bahn hielt praktisch genau unter dem Haus.
Das Fensterchen im dritten Stock, zwischen den beiden Erkern, war meines.
Michas Reich | Zuhause | Neue Schönhauser Straße

Neue Schönhauser Straße

10178 Berlin - Mitte
Neue Schönhauser Straße 1a, 3. OG
Tel.: 030 - 282 0166

4.11.1997 - 28.11.1997

Mit (genauer vermutlich: bei) G.

Nach der kurzen, aber aufregenden Zeit in Hamburg hatte die Aktion „Micha sucht ein neues Zuhause“ dann in Berlin Erfolg. Zum Zimmersuchen nistete ich mich bei Christina, die ich noch aus Weimar kannte, in Potsdam-Babelsberg ein. Die nach drei Tagen gefundene WG war die erste und einzige in meinem Leben, aus der ich jemals hinausgeworfen wurde (die beiden folgenden boten dann aber ein sehr angenehmes Zusammenleben).

Mein Vermieter G. war ein an sich sympathischer, sensibler und gebildeter schwuler Mittdreißiger aus einem westafrikanischen Land. Den Papieren zuliebe war er sowohl verheiratet als auch als Student eingeschrieben, in der Realität lebte er mit einem Mann namens F. zusammen. G. und F. verbrachten die Abende fernsehend auf dem Sofa unserer durchaus bürgerlich eingerichteten Plattenbauwohnung. Da F. noch eine eigene Wohnung besaß, vermietete Georges ein winziges Zimmerchen seiner Wohnung an mich, der dafür die Hälfte seiner Wohnungsmiete bezahlen durfte.

Nach zwei Wochen bat G. mich darum, mir eine andere Wohnung zu suchen. Obwohl auch meinerseits keine Gefahr bestand, dass ich mich hier jemals hätte wohlfühlen können, war ich tödlich beleidigt und klebte noch in derselben Nacht mehrere Hundert Suche-WG-Zettel an Berliner Laternenmasten.

Es war ein kurze, aufregende Zeit, alles war neu in der neuen Stadt, und der Herbst 1997 war sowieso unglaublich. Meine gerade frisch kennengelernte Freundin war gleich mehrmals aus Frankfurt zu Besuch. Zum herumjammern hatte ich also wirklich keine Zeit in diesem Herbst...

Das Zettelkleben hatte Erfolg, ich fand eine wesentlich sympathischere WG in der Winsstraße am Prenzlauer Berg.