Michas Reich | Zuhause | Unterliederbach

Drosselweg

6230 Frankfurt-Unterliederbach, Drosselweg 3, 2.OG

9. Mai 1971 - 20. Oktober 1977

Mein erstes Zuhause... hier verbrachte ich meine glückliche (?) Kindheit, um genau zu sein: die Vorschulzeit, in einem Haus voller Kinder. Da ich schon im Alter von sechs Jahren hier wegziehen mußte, ohne gefragt worden zu sein, lernte ich sehr früh im Leben, daß früher immer alles besser war. Hier nämlich, dessen war ich mir danach ganz und gar sicher, war die Welt noch in Ordnung gewesen.

Hier in Frankfurt-Unterliederbach verbrachte ich die ersten sechs Jahre meines seltsamen Lebens. Viele wichtige Orte gibt’s hier, solche, mit denen ich eigentlich nichts zu tun hatte, die ich aber trotzdem nie vergesse, wie die Tennisplätze gegenüber, die komische Tennis-Traglufthalle oder den Bunker in der Peter-Bied-Straße. Andere waren auch für mich sehr wichtig, wie natürlich mein Kindergarten im Stieglitzenweg schräg gegenüber, der Spielplatz hinter dem Haus, die Wasgau- (dort war VIVO), die Hostato- und die Königsteiner Straße (zum Einkaufen mit der Mama), der Park am Liederbach (Astronomen- / Philosophenweg) mit der Kirche, wo die Gruppenstunde war, in der sie die häßlichen Struwwelpeter-Bilder an der Wand hängen hatten. Das Höchster Krankenhaus, in dem ich geboren wurde und die Unterliederbacher Dorfkirche,in der ich, ohne es zu ahnen, dem christlichen Glauben beitrat. Den Höchster Bahnhof (zum Zügegucken oder zum  Abholen von Oma, Opa oder  anderem Besuch). Das Silobad, wo ich schwimmen lernte und wo es im Nichtschwimmerbecken eine kleine runde Insel gab, auf der der Froschkönig saß. Die Wiese an der Hunsrückstraße, wo man im Herbst mit dem Papa Drachen steigen lassen konnte. Und natürlich die Farbwerke, wo der Papa jeden Morgen hinradelte und die so viele große Schornsteine hatte und die beiden Rauchfahnen, der weißen und der gelben, die immer so komisch rochen. Und, ganz zum Schluß, die Karl-von-Ibell-Schule, in der ich 1977 nochmal schnell für sieben Wochen eingeschult wurde und in die ich mich noch Jahre danach zurücksehnte. Denn schon früher war früher alles besser.

Als Sechsjähriger und gerade Eingeschulter zog ich dann mit meinen Eltern und meinem Brüderchen an den Stadtrand, nach Kelkheim-Fischbach.